Korea
Korea ist eine geografische Region und Kultureinheit in Ostasien, die die Koreanische Halbinsel mitsamt den angrenzenden Inseln umfasst und zwischen China im Nordwesten und Japan im Osten liegt, von letzterem durch die Koreastraße und das Japanische Meer (in Korea als Ostmeer bezeichnet) getrennt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 ist Korea in zwei souveräne Staaten geteilt: die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) im Norden und die Republik Korea (Südkorea) im Süden, getrennt durch die Demilitarisierte Zone (DMZ) entlang des etwa 38. Breitengrads. Korea verfügt über eine eigenständige Kultur, eine eigene Sprache (Koreanisch) und eine mehrere Jahrtausende umfassende Geschichte und zählt in der Moderne zu den wirtschaftlich dynamischsten und geopolitisch bedeutendsten Regionen der Welt.
Geographie und natürliche Umwelt
Die Koreanische Halbinsel erstreckt sich über rund 1.100 Kilometer von der asiatischen Landmasse in den Pazifischen Ozean und hat eine Gesamtfläche von etwa 220.000 Quadratkilometern. Sie wird im Westen vom Gelben Meer, im Süden vom Ostchinesischen Meer und im Osten vom Japanischen Meer (Ostmeer) begrenzt; die größte Insel ist Jeju im Süden. Die Halbinsel ist überwiegend gebirgig, Berge bedecken etwa 70 Prozent der Landfläche. Das Taebaek-Gebirge verläuft entlang der Ostküste und bildet das topographische Rückgrat der Halbinsel, während der höchste Berg, der Paektu-Berg (Changbai-Berg) an der Nordgrenze zu China, eine Höhe von 2.744 Metern erreicht und in der koreanischen Kultur und Mythologie eine sakrale Bedeutung besitzt.
Zu den wichtigsten Flüssen gehören der Amnok (Yalu) und der Tumen, die die Nordgrenze zu China bilden, sowie der durch Seoul fließende Han-Fluss, der Geum-Fluss und der Nakdong-Fluss im Süden. Das Klima ist gemäßigt und durch vier deutlich ausgeprägte Jahreszeiten gekennzeichnet: kalte, trockene Winter unter dem Einfluss sibirischer Luftmassen sowie heiße, feuchte Sommer, die vom ostasiatischen Monsun geprägt werden. Die Wälder, Küstenfeuchtgebiete und Wattflächen der Halbinsel beherbergen eine bedeutende Biodiversität, und die Demilitarisierte Zone ist ungewollt zu einem wichtigen ökologischen Rückzugsraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten geworden.
Frühgeschichte und antike Königreiche
Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Koreanischen Halbinsel seit dem Paläolithikum. Der koreanischen Überlieferung zufolge wurde der erste koreanische Staat, Gojoseon, im Jahr 2333 v. Chr. vom legendären König Dangun gegründet, dessen Mythologie bis heute einen zentralen Bestandteil der koreanischen nationalen Identität bildet. Historisch belegt ist Gojoseon mindestens seit dem 4. Jahrhundert v. Chr.; im Jahr 108 v. Chr. fiel es an das China der Han-Dynastie, wonach im Norden der Halbinsel mehrere Kommandanturen, darunter Lelang, eingerichtet wurden.
Die anschließende Epoche, die als Zeit der Drei Reiche (etwa 57 v. Chr. bis 668 n. Chr.) bezeichnet wird, war geprägt vom Aufstieg der Königreiche Goguryeo im Norden, Baekje im Südwesten und Silla im Südosten sowie der Gaya-Konföderation. Diese Staaten verfügten über eine hochentwickelte Eisenverarbeitung sowie ausgeprägte politische Institutionen und Kulturtraditionen und übernahmen den Buddhismus, der im 4. Jahrhundert aus China gelangte und zu einer prägenden zivilisatorischen Kraft wurde. Die Drei Reiche standen zudem in dauernder Auseinandersetzung mit mächtigen chinesischen Dynastien; insbesondere Goguryeo konnte zu Beginn des 7. Jahrhunderts massive Invasionen der Sui-Dynastie erfolgreich abwehren. Im Jahr 668 vereinigte Silla, verbündet mit dem China der Tang-Dynastie, den größten Teil der Halbinsel südlich des Taedong-Flusses und leitete damit die Periode des Vereinigten Silla (668–935) ein, während das ehemalige Goguryeo-Gebiet im Norden in Balhae aufging, einen Staat, der von Goguryeo-Flüchtlingen und den Mohe-Völkern begründet wurde.
Mittelalter und Frühe Neuzeit
Im Jahr 918 errichtete Wang Geon (König Taejo) die Goryeo-Dynastie, die 936 die Halbinsel einte; die Bezeichnung „Korea“ leitet sich von „Goryeo“ ab. Die Goryeo-Periode (918–1392) erlebte die Blüte des Buddhismus sowie bedeutende kulturelle Leistungen, darunter die Tripitaka Koreana, den in Holzschnitttechnik gedruckten buddhistischen Kanon, und die Erfindung des Drucks mit beweglichen Metalllettern im 13. Jahrhundert, rund zwei Jahrhunderte vor Gutenberg. Goryeo sah sich wiederholten Invasionen ausgesetzt, darunter verheerende Feldzüge der Kitan im 11. Jahrhundert und die mongolischen Invasionen des 13. Jahrhunderts, infolge derer das Land fast ein Jahrhundert lang ein Vasall der mongolischen Yuan-Dynastie war.
Im Jahr 1392 übernahm General Yi Seong-gye in einem Staatsstreich die Macht und begründete die Joseon-Dynastie, die Korea über fünfhundert Jahre bis 1910 regierte. Joseon übernahm den Neo-Konfuzianismus als Staatsideologie, der die koreanische Sozialstruktur, das Bildungswesen, die Staatsführung und das Familienleben tiefgreifend prägte. Zu den berühmtesten Errungenschaften der Dynastie gehört die Schaffung von Hangul, des koreanischen Alphabets, das König Sejong der Große in den Jahren 1443–1446 zur Förderung der Alphabetisierung der einfachen Bevölkerung verkünden ließ. Die Joseon-Ära brachte auch eine hochentwickelte Wissenschaft und Technik hervor, darunter Regenmesser, astronomische Instrumente und qualitätsvolle Keramik. Das späte 16. Jahrhundert brachte den Imjin-Krieg (1592–1598), eine verheerende japanische Invasion unter Toyotomi Hideyoshi, die durch das gemeinsame Vorgehen koreanischer Truppen – namentlich Admiral Yi Sun-sin mit seinen berühmten Schildkrötenschiffen – und die Intervention des Ming-China zurückgeschlagen wurde. Im 17. Jahrhundert erlebte Korea Invasionen der Mandschu, bevor die Qing-Dynastie die Suzeränität etablierte; anschließend verfolgte Joseon eine weitgehend isolationistische Politik, die dem Land den Beinamen „Einsiedlerkönigreich“ eintrug.
Japanische Kolonialherrschaft
Koreas Isolation endete im späten 19. Jahrhundert unter dem Druck der westlichen Mächte und Japans. Nach dem Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg (1894–1895) und dem Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) ging Japan als dominierende Macht der Region hervor. Korea wurde 1897 zum Koreanischen Kaiserreich proklamiert, um seine Unabhängigkeit zu behaupten, doch Japan annektierte Korea 1910 formell und leitete damit eine Kolonialherrschaft ein, die bis 1945 andauerte.
Die Kolonialzeit war geprägt von Bestrebungen, Korea in das japanische Kaiserreich zu assimilieren, darunter die Unterdrückung der koreanischen Sprache und Kultur, die Mobilisierung von Zwangsarbeitern und, während des Zweiten Weltkriegs, die Einziehung von Kolonialuntertanen zum Kriegsdienst sowie die systematische sexuelle Versklavung koreanischer Frauen, die als „Trostfrauen“ bekannt wurde. Der koreanische Widerstand nahm viele Formen an, am bedeutendsten die Märzbewegung (Samil-Bewegung) von 1919, ein landesweiter friedlicher Aufstand gegen die Kolonialherrschaft, der gewaltsam niedergeschlagen wurde, aber den koreanischen Nationalismus nachhaltig beflügelte. Koreanische Unabhängigkeitsaktivisten gründeten im Ausland provisorische Regierungen, darunter 1919 die Provisorische Regierung der Republik Korea in Shanghai, und führten in der Mandschurei und anderswo bewaffneten Widerstand.
Teilung, Krieg und die beiden koreanischen Staaten
Japans Kapitulation im August 1945 beendete die Kolonialherrschaft, führte jedoch unmittelbar zur Teilung Koreas am 38. Breitengrad, wobei die Sowjetunion den Norden und die Vereinigten Staaten den Süden besetzten, wie von den Alliierten vereinbart. Die Bemühungen um ein geeintes unabhängiges Korea scheiterten angesichts sich verschärfender Spannungen des Kalten Krieges; 1948 wurden zwei getrennte Staaten gegründet: die Republik Korea im Süden unter Syngman Rhee und die Demokratische Volksrepublik Korea im Norden unter Kim Il-sung.
Im Juni 1950 griffen nordkoreanische Truppen den Süden an und lösten damit den Koreakrieg (1950–1953) aus. Der Konflikt zog China sowie – unter der Ägide der Vereinten Nationen – Truppen zahlreicher Länder unter Führung der Vereinigten Staaten hinein. Der Krieg verursachte enorme Verwüstungen mit Millionen militärischer und ziviler Opfer und endete im Juli 1953 mit einem Waffenstillstandsabkommen, jedoch ohne formellen Friedens
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